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Oman Oman ist geradezu perfekt für eine Rundreise mit dem Velo. Im ganzen Land gut ausgebaute Strassen, bei weitem nicht so viel Verkehr wie in den Emiraten; leckeres Essen (mindestens einmal pro Tag Shawarma = eine Art Kebap im Fladenbrot und dazu einen frisch gepressten Fruchtsaft); wenig Tourismus; ein total sicheres Land, es herrscht weder Armut noch gibt es bettelnde oder Steine werfende Kinder; die Menschen sind überaus freundlich, total hilfsbereit, laden uns immer wieder ein, schenken uns spontan Esswaren oder Früchte.
Es ist beinahe überall möglich wild zu campen, wenn jemand aus Neugier zum Zelt kommt, dann sagen sie immer nur "No Problem, hier kann man überall zelten!"; das Land ist wie gesagt überaus sicher, man braucht sich keine Gedanken zu machen, dass irgend etwas geklaut werden könnte; und zu all dem noch eine faszinierende Landschaft mit viel Natur, tausende Kilometer Küste und Strand, Wüsten, Oasen, hohe Gebirge und Wadis (ausgetrocknete Flüsse) - was braucht man mehr, für eine Runde mit dem Fahrrad?!
Die Grenze Es ist schon fast eine Gewohneit. Immer das gleiche Drama am letzten Tag, bevor wir ein Land verlassen müssen! Wir sind in Dubai, haben ein Visum für 30 Tage und müssen am 21. November 2008 draussen sein - denken wir, aber als Andi die Tage nochmals durchzählt, stellt sie fest, dass wir schon am 20. raus müssen (da der Oktober ja 31 Tage hat!). Aber es kommt noch besser: Martin liegt mit 39 Grad Fieber im Bett und wir brauchen sicher 2 Tage um mit dem Velo aus Dubai raus zu fahren und bis nach Hatta an die omanische Grenze zu radeln, zudem haben wir keine Landkarte (weder von den V.A.E., noch von Oman) und wir wissen, dass es in Dubai eigentlich unmöglich ist diese 100 km bis zur Grenze mit dem Fahrrad zu schaffen, da alle Strassen wie Autobahnen sind und es auch verboten ist darauf zu radeln. Also Plan B, vielleicht kann man das Visum ein paar Tage überziehen und dafür eine Busse bezahlen. Wir rufen das zuständige Amt an und sie sagen uns, dass der erste Tag 200 und jeder folgende 100 Dirham pro Person kostet. Ok, aber das kann man nur am Flughafen bezahlen und nicht an der omanischen Grenze! Also können wir das auch vergessen! Oder was passiert an der Grenze, wenn wir das trotzdem versuchen!?!? Vielleicht besser nicht... Unsere nächste Idee: es ist schon der 20. November und heute müssen wir das Land verlassen - egal wie - und Martin liegt immer noch im Bett! Es gibt stündlich einen Bus bis an die Grenze. Wir werden versuchen damit zu reisen und auch die Velos mitzunehmen! Vielleicht bezahlen wir ein bisschen mehr, damit sie unser übergepäck mitnehmen, aber hauptsache wir müssen nicht mit Fieber auf der Autobahn Rad fahren! Wir packen all unser Ramsch zusammen, putzen noch das Zimmer bei Raia, wo wir jetzt schon einen Monat lang gewohnt haben und so gegen Mittag fahren wir mit all unserem Gepäck los Richtung Stadtzentrum Dubai, wo wir die Bushaltestelle suchen. Nach kurzer Zeit rumfragen finden wir das richtige Terminal und nach ein paar Minuten warten kommt auch tatsächlich ein Bus. Aber schon von weitem sehe ich, dass es unmöglich ist, mit diesem Bus auch noch Fahrräder zu transportieren! Die 100 km würden nur 7 Dirham kosten, aber die Velos können nicht mit! Im Notfall bringen wir dann halt die Velos zurück zu Raia, fahren nur mit dem nötigsten Gepäck in den Oman und versuchen die Velos später zu holen... Dann noch eine zündende Idee! Pick-up-Taxi! Wir fragen auf dem Busbahnhof rum, ob es irgendwo solche Taxis mit Ladefläche gibt! Und tatsächlich... nach 5 Minuten finden wir einen Pakistani, der uns für 200 Dirham mit den Velos und all unserem Gepäck bis an die Grenze bringt! Perfekt! Das ist momentan alles was wir brauchen! Wir kommen so gegen Sonnenuntergang in Hatta an und müssen einfach irgendwie bis um 24 Uhr das Land verlassen haben! Und es kommt noch besser! An der Grenze frage ich, ob mein Visa echt heute abläuft! "Nein, Sie haben 60 Tag und nicht nur 30!", ist die Antwort! Na super, also war der ganze Stress für nichts - aber bei Andrea ist der Fall anders, sie hat nur ein 30-Tage-Visum gekriegt und muss tatsächlich an diesem Tag ausreisen! Wir fragen auch, ob es echt nicht möglich ist, die Busse für Overstay an der Grenze zu bezahlen: "Warum nicht??!", antwortet der Zöllner. "Kein Problem, wir nehmen Cash oder Kreditkarten!".
Die Grenze zu Oman ist kein Problem. Wir müssen nur ein bisschen warten, bis unsere Papiere in Ordnung sind und dann sind wir durch! Im Zollgebäde treffen wir einen jungen Typ mit dem Namen George aus dem Libanon und wir kommen ins Gespräch. Er fährt nach Sohar, wo er in einem Hotel einen neuen Job anfängt. Andrea erzählt, dass sie sich in Dubai auch in den grossen 5-Sterne-Hotels beworben hat und dass sie sogar noch heute mit einer Frau Rousseaux telefoniert habe. Er guckt uns nur mit grossen Augen an und erzählt, dass genau diese Frau Rousseaux auch seine HR-Verwantwortliche ist und er noch heute bei ihr im Büro war! Zufall!?
Kinder per SMS Wir sitzen unten am Strand bei Al-Bustan, in der Nähe von Muscat, ein paar Kerzen brennen im Sand und wir kippen ein paar Dosen Bier zusammen mit Felix, Max und Rouven (www.goneforthewild.de) sowie auch Suleiman, ein Omani mit seinem Kumpel. Suleiman ist ein lustiger, offener junger Typ, der uns Geschichten aus seinem Dorf erzählt. Kürzlich kam er von der Arbeit nach Hause und sah, dass gegenüber seinem Haus in einem kleinen indischen Restaurant eine Party im Gange war. Der indische Besitzer, den er gut kannte, lud ihn sofort ein und Suleiman fragte ihn, was der Grund für diesen Festtag sei. "Ich bin Vater geworden! Meine Frau hat zu Hause in Indien ein gesundes Baby geboren!", antwortet er voller Freude.
Aber Suleiman ist stutzig und fragt ihn, wie denn das geschehen konnte, da er ja in den letzten vier Jahren immer in Oman war und sein Frau nicht gesehen hatte?! "Wie kannst du Kinder kriegen, wenn du hier bist und deine Frau in Indien lebt? Per E-Mail, Fax oder SMS???". "Nein, nein", antwortet der Inder, "mein Bruder hat mir geholfen!".
Begegnungen Wir spazieren in Muscat dem Meer entlang zurück zu unserem Hotel. Da sehen wir einen Mann mit seinem Weltreisefahrrad und Gepäck. Wir sind neugierig, was er hier macht und sprechen ihn an. Meinhard Berger stammt aus Oesterreich und ist ein paar Wochen alleine mit seinem Velo unterwegs in Oman. Wir setzen uns in eine Tee-Shop und er erzählt uns Geschichten von seiner Reise und aus seinem Leben. Wir fragen ihn, was seine Motivation ist, so eine Reise zu unternehmen: "Mein ganzes Leben ist eine Reise. Auch wenn ich zu Hause bin, ist es wie reisen und am liebsten würde ich die ganze Zeit nur reisen, aber zu Hause ist es ja auch soooo schön!". Er ist pensionierter Professor für Neurologie in Innsbruck und lebt in einem schönen Haus über einem kleinen Dorf, direkt am Waldrand, mitten in der Natur und mit wunderschöner Aussicht über die Berge auf der gegenüberliegenden Talseite. Seine Umgebung wurde geprägt durch seine vielen Reisen. So hat er beispielsweise keinen Tisch zu Hause und isst jeweils mit seiner Frau zusammen in arabischer Tradition auf dem Teppich. Er erzählt uns auch über eine Ecke des Lichtes und einen gemütlichen Garten. Meinhard Berger ist verrückt für die Wüste. Seit vielen Jahren fährt er immer wieder in die Sahara und das Beste ist für ihn, wenn er alleine draussen in der Natur sein kann und direkt unter den Sternen übernachtet. Im Einklang mit der Natur - ohne Angst zu haben. "Es ist wichtig, immer neugierig und offen für Neues zu bleiben. Genau so wie die Kinder; immer das Kind in dir zu bewahren und einfach zu singen, wenn du Lust hast zu singen oder zu pfeifen, wenn du Lust hast zu pfeifen!", erzählt er uns. Auf Reisen lernt man, dass das Leben nicht immer planbar ist. Manches muss man einfach so akzeptieren, wie es ist. Die ständige Veränderung. Wer sich aber dagegen sträubt und mit dem Kopf durch die Wand will, kommt nicht weiter. "Ich brauche immer ein paar Tage, um in einer neuen Umgebung anzukommen. Und es ist wichtg, einfach irgendwo zu SEIN, das heisst, nicht den ganzen Tag hin und her rennen. So wie zum Beispiel tags zuvor, als ich stundenlang unten am Strand war und Steine fotografierte. Immer die gleichen Steine, immer wieder neu arrangiert", lacht er über sich selber. "Warum mit dem Fahrrad?", möchten wir wissen. "Es ist nicht immer gut, den einfachsten und bequemsten Weg im Leben zu wählen. Nur jemand der kämpfen und sich durchschlagen muss, bleibt jung und frisch im Geist, bleibt innovativ, neugierig und erfinderisch."
"Viele Hochkulturen, denen es zu gut ging, sind zu Grunde gegangen", antwortet er, als wir ihm unsere Erlebnisse aus Dubai erzählten. Wir bestellten noch einen Milchtee, bevor er sich auf sein Rad schwingt und ein neues Kapitel in seinem Leben auf Reisen beschreibt.
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