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Vereinigte Arabische Emirate (VAE) Wir haben es also geschafft - wir sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten angekommen! Mit einem iranischen Katamaran sind wir in 6 Stunden über die Strasse von Hormoz gefahren und in Sharjah, der Nachbarstadt Dubais, angekommen. Auf dem Schiff haben wir zufällig Alice und Cedric getroffen, die wir zwei Wochen zuvor schon im Silkroad-Hotel im Iran trafen. Nachdem wir mit all den hunderten Iranern die Zollformalitäten und Prozeduren über uns ergehen lassen mussten, wartete draussen Raia auf die beiden Franzosen. Alice und Cedric sprechen Esperanto (ebenso Raia) und so haben sie per Internet den Kontakt mit ihr aufgenommen, worauf die beiden jetzt ein paar Tage bei ihrer Familie unterkommen können. Wir wollten eigentlich direkt am Strand zelten, da das angeblich in Dubai an einigen Orten problemlos möglich ist. Es gibt da sogar heisse Duschen und öffentliche (AirCon)-Toiletten am Beach! Aber dann hat Raia uns vorgschlagen, dass wir auch bei ihr übernachten können, irgendwo auf dem Sofa oder im Garten - perfekt für die erste Nacht! Wir haben das ganze Gepäck bei ihr ins Auto geladen und wir sollten dann zu viert hinter ihr her im Dunkeln kreuz und quer durch die Dubai-Abend-Rush-Hour radeln! Das war brutal! Wir haben da irgendwelche 5-spurige Super-Highways erwischt und mussten ein paar Mal unser Leben retten, die Fransosen wurden drei Mal beinahe überfahren und wir mussten die Fahrräder über die Leitplanken hieven, um auf die andere Seite der Strasse zu gelangen!
Dann sind wir schliesslich irgendwo in eine Quartierstrasse eingebogen und standen vor einer grossen Villa! Wir staunten nicht schlecht! Ein superschöner Garten mit feinem englischem Rasen (wäre perfekt für unser Zelt - aber das geht leider nicht, weil die Wiese 24 Stunden vollautomatisch bewässert wird!) und ziemlich ruhig - ausser dem Gockel des Nachbarn, der die ganze Nacht kräht und uns das Gefühl gibt, irgendwo in einem Kuhdorf abgestiegen zu sein und nicht mitten in einer Millionenmetropole.
Kulturschock Dubai Direkt aus dem Iran kommend hat es uns natürlich fast umgehauen, was wir in Dubai alles sehen und erleben. Schon am ersten Abend stoppen wir im edlen Ausgehquartier von Sharjah und schlürfen unseren besten Kaffee seit Monaten im exklusiven französischen Cafe "Chez Gerard". Alles blitzblank sauber, piekfein, alles glitzert und glänzt, alles vom Feinsten. Dubai versprüht eine wahnsinnige Dynamik. Alles scheint möglich. Es wird nicht diskutiert sondern einfach gehandelt. Wenn eine verrückte Idee auf dem Tisch liegt, dann wird nicht erst gezweifelt und hin und her diskutiert - sondern realisiert! Es werden keine langwierigen Umweltverträglichkeitsprüfungen eingeholt, es gibt keine Bürgereinsprachen, und der Herrscher von Dubai entscheidet persönlich über den Neubau eines Grossprojektes. Zudem finden sich immer internationale Investoren; ein Eldorado für Finanzhaie. Dubai ist eine einzige gewaltige Baustelle. Es gibt nicht ein Stadtteil, der fertig wäre. Alles ist andauernd im Umbruch oder es entstehen komplett neue, futuristische Stadtteile aus dem Nichts, respekive aus dem Sand der Wüste oder auf dem Wasser des Persischen Golfes. Immer wieder fahren wir an gigantischen pragmatischen Plakaten vorbei, wie zum Beispiel "If you can dream it, you can do it!".
Dubai ist einerseits total faszinierend. Unglaublich mit wie viel Mut, Ehrgeiz und Innovation eine ganz neue Stadt buchstäblich aus den Wüstenboden gestampft wird. Atemberaubende Architektur und total verrückte Ideen können hier dank Geld und Land im Überfluss bedenkenlos umgesetzt werden. Andererseits sind wir schockiert, wie die Menschen in den Emiraten mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Dank dem Oel hätten sie eigentlich die Möglichkeit und die Mittel für ein ökologisches oder gesundes Leben, aber stattdessen bevorzugen sie ein Leben im Luxus, Überfluss und Verschwendung.
Bequemlichkeit Typisch für Dubai - die totale Bequemlichkeit und Faulheit. Alles so einfach wie möglich und sich ja nicht bewegen! Kein Meter zu Fuss gehen und sogar die Fussgänger-Überführungen haben Rolltreppen und Klimaanlage. Warum nimmt sich Dubai den amerikanischen Lifestyle als Vorbild?! Ich finde es tragisch und schade, dass eine noch so junge "Stadt der Zukunft", die jetzt noch die Möglichkeit hat, aus all den Fehlern der Städteplanung in Europa und Amerika zu lernen, genau in die gleiche Richtung steuert, wie viele andere Grossstädte und im Chaos versinkt. Oft hinkt auch die gesamte Infrastruktur den Grossprojekten hinterher. Dubai ist Drive-through: du brauchst weder bei McDonald's noch beim ATM-Bancomaten aus dem Wagen auszusteigen. Genau so wie auch das "Valet Parking" bei den exklusiven Hotels. Man fährt genau vor die Hotel-Lobby und da stehen schon ein paar Angestellte, die dann all die prunkvollen Autos parkieren. Drive-through hat sich so etabliert, dass es auch da gut funktioniert, wo man eigentlich gar nicht durchfahren kann: ein Emirati steigt nicht aus dem Wagen, wenn er beim kleinen Lebensmittelgeschäft um die Ecke Milch und Brot holen will. Man fährt im dicken SUV vor den Shop, hupt ein paar Mal kräftig bis ein kleiner Inder raus springt und die gewünschten Lebensmittel direkt zum Auto bringt.
Genau gleich funktionieren auch all die kleinen Shawarma-Buden, Restaurants und Coffee-Shops. Hupen und warten bis das Essen kommt! Und natürliche läuft in dieser Zeit immer der Motor - egal wie lange es dauert, bis das Essen warm ist. Geduld haben die Araber keine: wenn nicht sofort ein Kellner raus springt, dann fahren sie sofort weiter und stoppen beim nächsten.
Shoppingmalls und Einkaufen Das wichtigste für Dubai und unser Familie sind enorme Shopping-Centers und exklusive Shopping-Malls. Kürzlich eröffnete in Dubai das weltgrösste Shopping-Center mit hunderten von Läden. Die meisten Dubaier und so auch unsere Familie verbringt fast ihre gesamte Freizeit in diesen Luxus-Malls. Vermutlich weil man sonst nicht so viel unternehmen kann in dieser Stadt. Es gibt keine schöne Altstadt, wo man durchschlendern kann (ausser vielleicht noch am Creek, aber da ist es voll mit Indern und Pakistanern und diese meiden die Araber). Nicht eine Fussgängerzone oder irgend ein Quartier, wo man schön spazieren könnte. Auch die Uferpromenade unten am Meer ist meist menschenleer. Vielleicht weil es ganz einfach zu heiss ist oder weil es ein bisschen störend ist, die Baustelle der neuen "Palme Deira", die kilometerweit ins Meer raus geht, gleich vor der Nase zu haben (romantischer Sonnenuntergang zwischen den Baukränen!). OK, Dubai besitzt superschöne Strände und Beach-Parks mitten in der City, aber man kann ja auch nicht nur den ganzen Tag im Sand liegen... Also geht man ins Shopping-Center - worin die Temperaturen im Sommer und Winter runter gekühlt werden. Zu Hause in der Schweiz gehen wir ja nur zum Shopping, wenn wir echt etwas brauchen und dann aber schleunigst wieder raus. In Dubai ist das Zeitvertreib, Freizeit und Sehen-und-Gesehen-werden. Da stolzieren diese schwarz verschleierten arabischen Damen mit exklusiven Kostümen, das Gesicht total übervollgeschminkt und mit aufgepumpten Lippen zwischen exklusiven Shops hin und her. Diese Ladies machen den ganzen Tag nichts. Arbeiten brauchen sie eh nicht und für die Kinder guckt eine philippinische Nanny. Also haben sie genügend Zeit für den Beauty Salon, Massage, Cafe zu trinken und natürlich Shopping ohne Ende - und das nur vom Feinsten! Arabische Frauen beim Lebensmittel einkaufen im Carrefour: an der Kasse würden sie nicht einen Finger rühren, stehen nur da und kontrollieren, wie der kleine Inder und ihre persönliche philippinische Nanny all ihre Lebensmittel in Tüten packen. Sogar der Kassierer muss noch mithelfen, einzupacken - und alle anderen an der Schlange warten. Daraufhin schiebt der Tüten-Einpacker ihren Einkaufswagen bis zum Auto, verstaut alles im Kofferraum und während sich die Nanny um den Kinderwagen kümmert stolziert die Lady nebenher, immer an ihrem Kopftuch zupfend, damit es sicher perfekt steht und nicht verrutscht. Plasitksäcke zum Einkaufen sind zum Beispiel in Frankreich seit diesem Jahr aus Umweltschutzgründen verboten. In Dubai ist es so, dass man an der Kasse von einem eigens dafür verantwortlichen Einpacker die Nahrungsmittel in dutzenden von Plastiksäcken eingepackt bekommt. Und zwar so, dass man für jede Packung Corn Flakes eine eigene Tüte kriegt! Obwohl im Carrefour grosse Plakate hängen, dass sich die Kette für den Umweltschutz stark macht. Aber was schlussendlich passiert: das ganze Meer, die Strände und auch die Wüste sind voll mit Müll und Plastiksäcken. Meerestiere verenden, weil sie Plastiksäcke mit Quallen verwechseln und fressen sowie auch in der Wüste Kamele zu Grunde gehen, weil sie den ganzen Müll fressen. Wir hatten dann die grandiose Idee, dass wir unsere Plastiksäcke ein zweites Mal benutzen könnten. Also nahmen wir die alten Carrefour-Tüten nochmals mit zum Carrefour. Aber der Kassier hat sie einfach in den Müll geschmissen, obwohl sie nur einmal benutzt wurden und eigentlich noch brandneu waren! Andrea hat natürlich sofort dagegen protestiert und er musste sie wieder aus dem Abfalleimer rausfischen! Die Jungs da an der Kasse haben nur über uns gelacht und konnten nicht verstehen, was wir für Vollidioten sind, welche die alten Plastiksäcke nochmals ins Geschäft rein bringen! In Dubai geht man dort einkaufen, wo es die grössten Parkplätze für die monströsen Geländewagen gibt. Und die Einkaufswagen schiebt auch niemand zurück. Dafür gibt es schliesslich auch wieder ein kleiner Inder, der das macht. Sowie auch der ganze Müll nur so weg geworfen wird. Immer wieder beobachten wir Leute, die irgend etwas kaufen, im Auto essen, dann nur kurz die automatische Scheibe runter lassen und den ganzen Abfall auf die Strasse kippen. Am besten noch vor die Füsse des Kellners eines indischen Coffeeshops.
In Dubai gelten andere Regeln und Etiketten betreffend Anstand und Freundlichkeit. Wir haben sehr viele nette und freundliche sowie aufgestellte und lustige Menschen getroffen, aber oft fühlt man sich total arrogant und ignorant behandelt. Zum Beispiel würde dir niemand eine Tür offen halten sondern eher direkt vor deiner Nase zuknallen. Sowie ein edler Araber sich auch nie mit minderwertigen Arbeiten beschäftigen würde, beispielsweise lassen sie bei all den Fast-Food-Restis immer die ganze Sauerei auf dem Tisch liegen und würden im McDonald's nie selber auch noch das Tablett zurück bringen.
Dubai Style Die Männer tragen nach wie vor das traditionelle arabische Kostüm, die Dishdasha. Das sieht aus wie ein langes, weisses Pijama mit Sandalen und auf dem Kopf ein weisses Tuch (oder auch so eins wie Arafat immer trug), dazu einen schwarzen Ring, der das Tuch hält. Die Emirati-Männer sind genau so Divas wie ihre Frauen. Die ganze Zeit zupfen sie an ihrem Tüechli, bis es ganz genau perfekt steht. In der Toilette können sie Minuten lang vor dem Spiegel stehen und das Kopftuch richten! Zudem sind Schönheitsoperationen und Nasenkorrekturen an der Tagesordnung. Es ist interessant, dass die Globalisierung in diesem Bereich in Dubai noch nicht Fuss gefasst hat. Die meisten Araber kleiden sich traditionell. Höchstens erlauben sie sich anstatt der ursprünglichen Kopfbedeckung eine amerikanische Baseballmütze und eine stylische Sonnenbrille. Dabei spielt auch mit, dass sich die Emirati mit diesen eigentlich sehr edel aussehenden Kleidern von der unteren Gesellschaftsschicht abheben können. In Dubai arbeiten Millionen von Ausländern. Vor allem Inder, Pakistani und Bangladeschi, welche von den Arabern eher als "Tiere" angesehen und behandelt werden und sie wollen natürlich auf keinen Fall mit diesen minderwertigen Wesen verwechselt werden.
Wie schon erwähnt sind die Frauen genau so Divas wie die Männer. Auch sie tragen meist die traditionellen Kleider, was bedeutet, dass sie von Kopf bis Fuss in Schwarz eingeschleiert sind (Abaya). Oft kann man nur das Gesicht sehen, aber dafür ist das dann in allen Farben geschminkt und auf der Kopfbedeckungen glänzen und glitzern die Swarovski-Kristalle. Die meisten Damen brauchen eh nicht zu arbeiten und Alte, Witwen sowie Frauen über 40 leben ganz auf Staatskosten.
Lebensmittel und Wasser Wasser gibt es in Dubai keins - rundum die totale Wüste. Es regnet höchstens einen Tag pro Jahr, irgendwann im Winter. Dann aber auch nur ein paar Tropfen und das ist dann auch schon alles! Ansonsten immer volle Sonne! Also muss die Stadt das Wasser entsalzen oder importieren. Wir trinken in unserer Gastfamilie 1.5-Liter-Petflaschen aus Neuseeland: Cool Blue Mineralwater - clean, green, nuclear-free! So kommt es, dass in Dubai ein Liter Wasser schon mal teurer ist als ein Liter Benzin! Obwohl die Arabischen Emirate die knappsten Wasserreserven der Erde haben, haben sie trotzdem den drittmeisten Wasserverbrauch pro Einwohner (nach den USA und Kanada). Das ist ein totaler Irrsinn, den nur etwa 25% des Trinkwassers beziehen die Emirate aus den eigenen Quellen in den Bergen des Hinterlandes und der Rest kommt grösstenteils aus gigantischen Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Diese Anlagen brauchen erstens Mal mehr oder weniger sauberes Salzwasser, welches dann durch Gas- oder Oelfeürung auf 90 Grad erhitzt wird, bis es verdampft; noch ein paar Mineralien hinzugefügt - et voila, fertig! Dann kann man ohne schlechtes Gewissen den Rasen sprengen oder den Parkplatz vom Wüstensand reinigen.
Für Halloween wollten wir im Carrefour einkaufen, aber es war kaum möglich einen Kürbis zu kaufen für unsere Suppe. Es gab da schöne, orange Halloweenkürbisse, aber ein 4.3 kg schweres Stück kostete 20 Euro, weil sie per Schiff oder Flugzeug aus Australien nach Dubai gebracht werden. Das beste was wir im Carrefour gesehen haben, waren in Wasser eingelegte, aus Frankreich importierte Kartoffeln - natürlich sauteuer.
Abfall & Müll Kompost oder Grüngutabfuhr gibt es in Dubai nicht. Auch wenn wir sogar einen Garten um die Villa haben (mit Meerschweinchen, Hasen, Schildkröten und Hühnern, die vom Nachbarn immer zu uns rüber fliegen). Also schmeissen wir alles Grünzeugs trotzdem in den normalen Müll und ich trage täglich mehrere Abfallsäcke aus der Küche in die grosse Mülltonne auf der Strasse. Abfallgebühren gibt es sowieso nicht, Recycling haben sie noch nie gehört und alles wird einfach in die Tonne geschmissen. Dann haben wir von einem Lehrer gehört, dass es in Dubai auch keine Müllverbrennung gibt. Es wird alles nur irgendwo in die Wüste gekippt. Und Wüste haben die Araber ja genug!
Das konnten wir ja selber kaum glauben, aber als wir mit dem Fahrrad in unserer letzten Woche noch eine Runde durch die Emirate gemacht haben, sahen wir tatsächlich riesige Mülldeponien mitten in der Wüste, schön versteckt und mit überdimensionalem Stacheldrahtzaun geschützt.
Verkehr In Dubai ist man ohne Auto total verloren. Keine Möglichkeit. Es ist nichts ausgebaut für Fussgänger oder Velos. Man fährt mit dem Auto von einem Shop zum nächsten - auch wenn es nur 100 Meter sind. Zum Einkaufen geht man standesgemäss in riesige ShoppingMalls, wo es grosse Parkplätze gibt und vor allem AirCondition, weil man es draussen kaum aushalten kann. Das ist auch der Grund warum alle in der Stadt immer die Autos laufen lassen. Oft steht irgendwo eine Karre in einem Parkplatz, niemand sitzt drin und der Motor läuft. Man kann den Motor sogar von weit weg per Infrarot starten, damit das Auto dann schon ein bisschen kühl ist, wenn man losfahren will. Die Menschen leben in totaler Verschwendung. Geld spielt in Dubai keine Rolle. Das sieht man auch an den Autos. Alle fahren riesig grosse Geländewagen, die so viel Benzin verschleudern, dass sie in Europa gar nicht erst erlaubt sind. Aber das ist egal, weil der Liter Petrol in den VAE sowieso nur ein paar Rappen kostet. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es sozusagen keine, aber die Leute beschweren sich ständig, weil sie immer im Stau stehen. Zur RushHour sind die Strassen hoffnungslos verstopft. Auch Taxis kann man keine finden. Und wenn man zum Beispiel morgens per Taxi von Dubai nach Sharjah fahren will, findet man mit Sicherheit keins, weil der Fahrer nach einer 30-minütigen Fahrt wieder 2 Stunden im Stau stehen würde, um zurück nach Dubai zu gelangen. Und das macht keiner! Die Hauptbeschäftigung einer Mutter ist es, die Kinder mit dem Wagen zur Schule zu bringen und wieder abzuholen - und im Stau zu stehen. Der Junge in unserer Familie kommt jeweils mit dem Schulbus von weit her, aber dann muss Raia immer noch eine halbe Stunde mit dem Wagen fahren, um ihn von der Bushaltestelle abzuholen. Die Kinder können nichts selbständig unternehmen. Sie sind total auf die Eltern angewiesen. Sie können nicht mal irgendwo zu den Nachbarnkindern oder Freunden gehen, weil diese ja meist in der ganzen Stadt verstreut leben (das heisst wieder 30 bis 40 km Stau). Dubai ist ein sehr frauenfreundliches Emirat. Hier brauchen die Frauen in den öffentlichen Ämtern nicht an der Warteschlange anzustehen, haben im Bus reservierte Sitzplätze, werden immer reingelassen und vor allem: die Fahrprüfung ist für Frauen viel einfacher als für Männer! ;-) Wegen den vielen Berufspendlern und den fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln hat die Stadt auf verschiedenen Strecken eine Maut eingeführt: Salik. Zum Beispiel kostet eine Fahrt über die Maktoum-Brücke ungefähr einen Franken und wird automatisch von einem Kleber auf der Frontscheibe abgebucht. Wenn das Salik-Konto leer ist, wird der Fahrzeughalter per SMS informiert. Auf der Sheikh-Zayed-Road sind die mittleren zwei Spuren mautpflichtig. Das heisst, diejenigen mit den teuren Autos fahren jetzt da direkt an allen andern im Stau stehenden vorbei. Sobald die Menschen in ihren Autos sitzen, werden sie zu völligen Egoisten. Je grösser das Auto, desto schlimmer. In Dubai hat ein Krankenwagen fast keine Chance, sich durch den Verkehr zu quälen. Niemand würde auch nur ein bisschen von seiner Spur abrücken. Und so sehen wir immer wieder ein Notarzt mit heulender Sirene auf dem Dach, völlig im Stau eingeklemmt, an einer Kreuzung zu stehen. Die Ampeln in Dubai haben aber sehr lange Rot-Perioden und wechseln immer erst nach mind. einer Minute. Wenn sich der Krankenwagen dann endlich mal nach vorne gekämpt hat, dann stoppen aber die andern Autos, welche gerade Grün haben, mit Sicherheit nicht und alle brausen voller Ignoranz weiter. Wir spazieren runter zum Jumeirah Beach und kommen an einer Tankstelle vorbei. Plötzlich hinter uns ein Quitschen und Jaulen!!! Wir haben keine Ahnung, was da los ist und springen mit einem Schock zur Seite! Neben uns dreht sich ein Monster-Truck mit qualmenden Rädern um die eigene Achse! Ein Wunder, dass er nicht gegen die Tanksälen knallt - und dann steigt ein dicker Araber aus und lacht sich über uns kaputt! Vermutlich aus Langeweile haben die jungen Emirati ein neues Hobby gefunden: Nächtelang drehen sie mit ihren Porsche Cayennes und den voll aufgemotzten Range Rovers Runden durch die Stadt. Entweder Beschleunigungsrennen oder mit quitschenden und qualmenden Niederquerschnittreifen Mad-Max-Kreise zu drehen, das heisst, der ganze Wagen dreht sich um die eigene Achse bis die Reifen platzen! Oder sie haben eine Art Zündungsunterbrecher eingebaut, womit man brutal laut knallen kann, wenn man ein paar Sekunden Benzin in den Motor rein lässt, ohne zu zünden und dann das ganze mit voller Wucht explodiert, dass die Funken hinten raus fliegen - und besten ist dieser Effekt, wenn man damit genau neben zwei Velofahrern knallen kann! :-)
Wegen ihrer Erfahrung im Sand sind die meisten ja sehr gute Autofahrer und so sliden sie problemlos mit durchdrehenden Reifen quer durch die grossen, dreispurigen Kreisel in der Stadt. Wie viel Power braucht es eigentlich, damit man einen mehrere Tonnen schweren Geländewagen so beschleunigen kann, dass die Räder rauchen?
Rad fahren Dubai ist eine totale Autostadt. Es gibt fast keine Möglichkeit, sich zu Fuss oder mit dem Velo zu bewegen sowie auch die öffentlichen Verkehrsmittel nicht zu gebrauchen sind, solange die Metro nicht fertig gebaut ist. Also bleibt nichts anderes übrig, als andauernd mit dem Auto im Stau zu stehen. Zudem ist es auf den meisten Strassen der Stadt verboten zu radeln. Nach ein paar Wochen in Dubai haben wir aber schon mal ein paar gute Wege gefunden und kennen die Abkürzungen und versteckten Routen, um kreuz und quer durch die Stadt zu radeln. Auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Ich habe diese Wege meist so gefunden, indem ich einfach einem radelnden Inder oder Chinesen gefolgt bin, der ungefähr in die gleiche Richtung unterwegs war und schon die besten Schleichwege kannte, um die grossen Highways zu umfahren. Richtige Velowege oder Fussgängerzonen kannste vergessen. Immer wieder bleibt uns nichts anderes übrig, als auf breiten Autobahnen zu fahren oder zu Fuss 6-spurige Motorways zu überqueren. Nicht einfach, da der Verkehr rücksichtslos mit Vollspeed durch die Stadt braust und wir oft minutenlang am Strassenrand stehen, um dann bei der ersten besten Möglichkeit zu rennen was das Zeug hält - Sport und Nervenkitzel zugleich! Ärgerlich sind auch die Gehsteige. Meist sind sie viel zu schmal und immer mit einem 20 bis 30 cm hohen Randstein zur Strasse hin abgegrenzt, der nie abgeschrägt ist, so dass man mit dem Rad einfach darüber hinweg rollen könnte. Wenn es irgendwie möglich ist, fahren wir immer auf dem Trottoir, weil es auf der Strasse schlicht zu gefährlich ist und die Autofahrer dich da nicht sehen wollen. Am liebsten würden sie dich gleich zu Tode fahren, damit sie freie Bahn haben und mit Voll-Power in den nächsten Stau rein preschen können. Es gab da oft brandheisse Situationen... Also, wenn immer möglich auf dem Gehsteig, aber das bedeutet, alle 100 Meter wieder vom Rad steigen, runter schieben und auf der anderen Seite wieder hoch! Das gilt auch für Kinderwagen oder Rollstühle. Absolut unmöglich. Und wenn wir dann auch noch mit Gepäck unterwegs sind, ist diese Prozedur, so durch die ganze Stadt zu schieben, extrem langwierig und wir kommen nicht vom Fleck. Aber auch auf dem Trottoir kann man natürlich nicht immer fahren. Oft sind diese gesperrt wegen Baustellen und in den Quartieren immer mit parkierten Autos vollgestellt, so dass es kein Durchkommen gibt. Die Autofahrer ignorieren uns völlig. Es ist total normal, dass sie uns überholen und dann sogleich rechts einbiegen, ohne zu blinken und uns knallhart vom Weg abdrängen. Wenn sie von hinten kommen und überholen, dann wird nur gehupt wie verrückt, aber sie würden keinen Milimeter von ihrer Spur abweichen, um an uns vorbei zu fahren, auch wenn die Strasse breit genug wäre, meist sogar mehrspurig und frei. Und das beste war, als uns ein Polizeiwagen mal beinahe umgefahren hat und uns dann nur mit einer arroganten Bewegung und ein paar Schimpfwörtern in den "Scheiss" raus geschickt hat! An dieser Strassse gab es weder ein Gehsteig, noch ein Kiesstreifen, wo wir hätten fahren können. Aber sie haben uns allen Ernstes raus in den mit Abfall übersähten Dreck geschickt! Es ist so, dass in Dubai meist nur Inder und Pakistaner mit dem Rad unterwegs sind. Und die werden wie Tiere behandelt. Scheissegal, wenn mal einer überfahren wird, auf einen mehr oder weniger kommts ja auch nicht an! Sowas steht auch immer wieder in der Zeitung (natürlich mit Fahrerflucht). Ein stolzer Araber, der vom Staat einen dicken 4x4 geschenkt bekommt, würde natürlich nie auf so etwas beschissenes, wie ein Fahrrad steigen. Und genau so behandeln sie uns auch! Aber es gibt auch die anderen. Zum Glück. Immer wieder treffen wir junge Emirati, die völlig begeistert sind, wenn sie uns sehen! Sie halten uns an, sind neugierig und wollen wissen, was wir machen und schreien uns von weitem zu "Welcome to the U.A.E.!". Und wenn wir mal wieder den Weg verloren haben, stoppt sicher einer, der uns weiter hilft. Oder ein anderer hält neben uns und drückt uns ein paar frische Datteln in die Hände.
Sobald man aus der Stadt raus ist (was 2 Tage in Anspruch nimmt!), ist das Rad fahren ganz anders. Es gibt eigentlich nur Autobahnen kreuz und quer durchs Land (oder dann richtige Pisten durch die Wüste). Die Autobahnen haben immer einen Sicherheitsstreifen und da lässt sich perfekt radeln.
Bus fahren in Dubai Andrea wollte mal mit dem Bus vom Burj Al Arab nach Hause fahren. Diese 30 Kilometer wären eigentlich nicht schwer, weil es einen schönen Plan mit allen Buslinien und Fahrzeiten gibt. Alles klar und deutlich beschrieben und natürlich protzige Air-Condition-Wartestationen, die blitzblank sauber sind. Da ist kein Kratzer in den Scheiben und keine Schmiererei zu sehen. Andi hat erst einmal eine halbe Stunde auf den Bus gewaret (ich war mit dem Velo unterwegs) und als dann endlich einer kam, war er voll. Ein paar Männer durften noch einsteigen - aber Frauen haben sie keine mehr rein gelassen!!! Es ist so, dass im Bus die vorderen acht Sitze für Frauen reserviert sind und wenn die besetzt sind, nehmen sie keine weiteren Frauen mehr mit! Auch wenn sie hinten im Bus noch stehen könnten! Aber nein - keine Chance! Also wartete sie noch eine weitere halbe Stunde, bis der nächste Bus kam, wo sie endlich einsteigen konnte (in dieser Zeit war ich mit dem Velo schon zu Hause). Dann stand sie noch 2 Stunden im Stau, da in Dubai die Buse keine Vorfahrt haben und es auch keine separaten Busspuren gibt. Also stecken all die Busse im totalen Stau zusammen mit dem ganzen Feierabendverkehr. Ein anderes Mal wollten wir vom Zentrum zurück nach Hause fahren. Aber es standen so viele Leute an der Station! Und fast keine Busse. Unser Bus hatte schon 20 Minuten Verspätung und die Schlange wurde immer länger. Es funktioniert so, dass die Inder und Pakistani, die meistens den Bus benutzen, in einer ganz schönen Reihe stehen müssen und es gibt da sogar Polizisten, die ganz genau darauf achten, dass niemand nach vorne drängt! Sie haben eine Pfeife im Mund und ein Stock in der Hand! Und da wagt es niemand, nach vorne zu drängen!
Ein paar Mal wollten wir noch mit dem Bus kreuz und quer durch die Stadt, aber es ist fast nicht möglich. Zudem sind nicht alle Linien in den Plänen eingezeichnet und die Fahrpläne sind für nichts. Über eine Stunde warteten wir auf einen Bus, der nach Plan alle 10 Minuten stoppen sollte. Und als wir dann schliesslich ein Taxi nahmen, sahen wir durch die Rückscheibe natürlich unseren Bus hinter uns her fahren!
Motor läuft In Dubai ist es total normal, dass während dem Einkauf einfach der Wagen vor dem Geschäft steht und der Motor läuft. Vielfach sehen wir Autos, wo die Tante mit den Kindern hinter den rundum abgedunkelten Scheiben im Auto sitzt und sich mit der AirCondition abkühlt, während der Mann Lebensmittel einkauft. Und der Motor läuft natürlich. Genau so die Nachbarn von Raias Villa. Um den Platz vor dem Haus zu reinigen, stellen sie alle vier Autos vor das Eingangstor auf die Zufahrtsstrasse und lassen in allen Wagen den Motor laufen, bis der indische Gärtner den ganzen Vorplatz und die Garage mit einem Schlauch geputzt hat (ohne die unglaubliche Verschwendung des entsalzten Wasser zu erwähnen). Und solange die da drin gemütlich alles abspritzen, atmen wir die Abgase der grossen Mercedes-SUVs in unserem Garten.
Dubai bedeutet leben in der AirCondition. Zuhause immer schön auf 20 Grad runter gekühlt, dann mit dem AC-Auto zum Einkaufen in ein superkaltes ShoppingCenter. Also auch bei 30, 40 Grad Aussentemperatur immer einen Pullover dabei haben! Irgendwie haben sich die Menschen schon so sehr daran gewöhnt, dass sie auch im Winter, wenn es angenehme 25 Grad draussen ist, trotzdem immer den Wagen laufen lassen. Sei es, wenn sie an der Autobahnraststätte aufs WC gehen oder vor dem Restaurant auf den TakeAway warten - egal, der Motor läft...
Unsere kleine Kneipe am Meer Raia wohnt nicht weit vom Meer entfernt. Aber da unten an der Corniche (Meerespromenade) gibt es momentan ausser der gewaltigen Baustelle der "Palme Deira" nichts besonderes. Keine Cafes oder Restaurants. Die einzige kleine Kneipe, die wir fanden, war am Eingang zur Palme. Da gibt es so einen indischen Imbiss, wo die Arbeiter essen. Und das schmeckt echt ganz ganz lecker.
Da kommen sogar die Araber mit ihren teuren 4x4-Range-Rovers. Aber sie würden natürlich nicht ins Resti rein kommen, weil das für sie nicht gut genug wäre. Sie kaufen ihr Essen nur Take-Away oder futtern es im Wagen. Das Beste ist, dass man nicht mal aus dem Auto steigen muss, sondern man kann nur auf den Parkplatz fahren und ein paar Mal laut hupen! Und wenn die kleinen Inder nicht sofort rennen, dann nochmals hupen! Und dann demonstrativ noch den ganzen Müll aus dem Auto, vor die Füsse des Service-Personals schmeissen. Ziemlich arrogant das ganze...
Sicherheit und Gesetze Die Sicherheit der Kinder ist in Dubai das wichtigste. Zum Beispiel steht am Eingangstor zu jeder Schule in (indischer) Security-Guard und die Kids dürfen das Gelände nicht alleine verlassen. Erst wenn die Eltern mit dem grossen 4x4 vor der Schule vorgefahren sind und einen richtigen Stau verursachen, dürfen sie raus und müssen sofort einsteigen. Totale Sicherheit, aber totale Unselbständigkeit. Aber was nützt die ganze Sicherheit, wenn die Kinder bis sie selber Auto fahren können nicht lernen, wie man eine Strasse überquert und total von Mama abhängig sind, dass sie nicht mal alleine ihre Freunde besuchen können? In den Emiraten gibt es so echt ganz idiotische Regeln und Gesetze. Wir waren in Sharjah mit dem Radl und wollten in einem Cafe beim Kanal einen Cappucchino schlürfen. Aber man darf nicht die Fahrräder neben dem Cafe parkieren! Angefangen hat es schon, dass man nicht mit dem Velo in die Fussgängerzone unten am Wasser reinfahren darf. Das kann ich ja noch verstehen. Aber dass es nicht erlaubt ist, die Velos neben dem Restaurant zu parkieren ist schon total irre. Im Gegensatz dazu sagt aber niemand etwas, wenn die Araber mitten in der Stadt mit ihren dicken Geländewagen direkt auf den Strand fahren und das Auto möglichst nahe am Wasser parkieren, um dann da eine Wasserpfeife zu rauchen. Ansonsten funktioniert Dubai mit seinen Regeln und Gesetzen erstaunlich gut. Auf der Autobahn steht alle 5 km ein Radar und niemand fährt zu schnell. Die Kriminalitätsrate ist beinahe bei Null und man wird nicht an jeder Ecke übers Ohr gehauen. Nachts durch die Strassen zu spazieren ist absolut problemlos und die meisten Einheimischen lassen auch ihre teuren Karossen nur so irgendwo auf der Strasse stehen - der Schlüssel im Schloss und der Motor läuft... Manchmal haben wir echt das Gefühl, dass alle in Dubai eine Gehirnwäsche hinter sich haben. Irgendwie ist es so, dass alle, die in der Stadt leben, sich total anpassen. Interessant ist auch, dass viele Inder oder Pakistani, die in den Emiraten arbeiten, sich auch total dem Dubai-Leben anpassen (müssen). Das heisst, sie sind dann auch plötzlich ganz pingelig und kleinlich und zimperlich wie zum Beispiel wenn man sein Fahrrad nicht mal irgendwo an einen Zaun anketten darf... dann kann man noch so lange mit dem Security Guard hin und her diskutieren - es hilft nichts: verboten ist verboten!
An einem anderen Tag sollten wir mit dem Fahrrad zu einer Werkstatt. Das Problem war, dass der Bike-Shop in einem Shopping-Center war - aber der Aufpasser hat uns natürlich nicht reingelassen, weil das verboten sei! Andauernd passiert uns solches idiotisches Zeugs...
Neujahr in Dubai Bei Raia (unserer Gastfamilie, die momentan ihre Weihnachtsferien in den Malediven verbringen und bei denen wir jetzt für eine paar Wochen den Rasen giessen und die Hasen füttern müssen) haben wir in der Garage einen Grill gefunden, machen uns gemütlich auf der Terrasse breit und brutzeln unser Sylvestermenu, draussen in einer lauen Dubaiwinternacht. Andi hat von Kalina ein paar Schminksachen gefunden (!) und war sogar noch beim Frisör für einen wunderhübschen Start ins Neue Jahr! Auf einer Weihnachts-CD haben wir zufällig "Happy New Year" von ABBA gefunden und das läuft jetzt in voller Lautstärke den ganzen Abend (im Internet haben wir auch die Übersetzung des Songtextes auf Deutsch und Ungarisch gesucht!) und ABBA singt darüber, dass sie noch Träume haben, dass irgendwann auf der Welt alle Nachbarn Freunde sein werden (ich hoffe, unsere Nachbarn hier sind auch Freunde und lassen sich nicht vom Grill und dem vollen Sound stören!). Nach dem "Dinner for two" mit Kerzenlicht hat uns Raia empfohlen, runter an den Creek zu gehen, ins alte Zentrum von Dubai. Wir sind gespannt, wie das Neue Jahr auf der Arabischen Halbinsel gefeiert wird. Nur schon für die Eröffnungsfeier und das Feuerwerk des Atlantis-Hotels auf der Jumairah-Palme wurde 20 Mio Dollar ausgegeben! Also erwarten wir Grosses! Die Metropole wird sich ja wohl nicht lumpen lassen! So gegen halb elf gehen wir zu Fuss runter an den Fluss - wir haben schon ein bisschen Verspätung, also versuchen wir unten am Meer, entlang der Al Khaleej Road einen Bus zu schnappen, aber natürlich kommt genau jetzt keiner mehr. Dafür stoppt ein netter Inder an der Bushaltestelle, der uns die paar Kilometer bis ins Zentrum mitnimmt (er fährt inoffiziell als "Privattaxi"). "In den vergangenen Jahren hatten sie in Dubai während den Feiern Probleme mit jungen Arabern, die mit ihren teuren Range Rovern Reifen quitschend durch die City rasen, Mad-Max-Kreise drehen und so lange die Pneus qualmen lassen, bis sie explodieren!", erzählt er uns - und tatsächlich, das haben wir auch schon mehrmals gesehen, als die Emirati zum Beispiel einmal ein Fussballmatch gewonnen haben. Deswegen ist jetzt auch die Polizeipräsenz in der Stadt extrem hoch und sie haben ein waches Auge an jeder Kreuzung. Er lässt uns im Zentrum raus und wir schlendern dem Fluss entlang. Es ist schon bald Mitternacht und das alte Jahr geht zu Ende. Unten am Dubai Creek gibt es viele nette kleine Cafes und Restaurants, wo jetzt alle draussen sitzen, noch immer beim Essen sind oder schon eine Shisah rauchen - sogar die Frauen auch! Seit Tagen versuchen wir irgendwie eine Flasche Alkohol zu organisieren. In Dubai ist das fast unmöglich. Entweder man geht in eine Hotelbar, um ein Bier zu kippen oder man braucht eine Alkohol-Lizenz (die man nur kriegt, wenn man Resident ist und mind. 3500 Dirham pro Monat verdient, zudem gibt es darauf ein monatliches Limit, wieviel Alki man kaufen darf und der Staat kassiert 30% Steuern auf alles, was im Koran verboten ist - so auch auf Schweinefleisch!) und man kann nur in ganz wenigen, speziellen Shops, die ziemlich gut versteckt sind, Alkohol kaufen. Meist sind sie bei teuren Einkaufszentren (Spinney's), dann aber irgendwo hinten beim Lieferanteneingang. Ich wollte trotzdem mal reinschauen und nach langem suchen habe ich so ein Geschäft gefunden. Da drin sind schon fast paradiesische Zustände! Alles voll mit edeln Weinen, kistenweise Bier und starkem Gebranntem. Aber ohne Lizenz gibts leider nichts! Also nur mit wässrigen Augen gucken! Ich versuche mit allem Charme die Tante hinter der Kasse zu bezirzen, bis sie weich wird und mir trotzdem eine Flasche über den Tresen schiebt! Aber nur, wenn ich den Vodka gut in meinem Rucksack verstecke, niemandem etwas sage und mich nicht erwischen lasse! Also war schon ein Teil unsereres Abends gerettet. Seit wie vielen Monaten träumen wir jetzt schon davon, nur einmal ganz gemütlich unten am Strand zu sitzen und ein Bier zu trinken. Aber seit wir damals im August in der Türkei in den Ramadan reingefahren sind, sitzen wir auf dem Trockenen... nicht so schlimm, aber für Sylvester wollten wir schon mal wieder einen kippen! Da sitzen wir nun also unten am Fluss, kurz vor zwölf und ziehen vorsichtig unseren in Pet-Flaschen abgefüllten Vodka illegalerweise aus dem Rucki. Irgendwo ist noch eine Polizeipatroullie unterwegs - einfach nicht erwischen lassen! Wie zwei Verbrecher füllen wir schnell unsere Gläser und zählen die Sekunden rückwärts! Irgend etwas stimmt nicht. Entweder haben wir mit der Zeitumstellung irgendwas falsch gemacht... oder das Datum falsch geguckt? Wir sind die einzigen in ganz Dubai, die da unten mitten im Zentrum auf den Zwölf-Uhr-Schlag warten - aber es passiert nichts! Null! überhaupt nichts!!! Niemand steht vom Tisch auf, niemand stösst aufs neue Jahr an, niemand prostet uns zu, niemand macht auch nur den geringsten Eindruck, als ob es etwas zu feiern gäbe. Und wo ist das Feuerwerk?! Nichts! Null! Nada! Nicht ein Knaller! Nicht mal einen leisen Frauenfurz kann man hören!!! Wir stehen da mitten in Dubai wie zwei total verlorene im falschen Film und prüfen nochmals eine andere Uhr: 00:01 - Happy New Year! Aber alle andern rund um uns spazieren weiterhin dem Wasser entlang, die Abra-Taxi-Boote ziehen ihre Runden, andere sind beim Fischen - aber sonst passiert nichts... und das in der grössten Tourismus-Hochburg-Metropole Arabiens (die ja eigentlich Kohle und Oel haben ohne Ende!). Wir können es kaum fassen. Es gibt auch sonst keine Events; vor allem jetzt im Winter, wenn es nicht mehr so heiss ist und eh alle Leute abends auf der Strasse sind. Keine Open-Air-Konzerte oder Darbietungen, keine Live-Übertragugen auf Grossleinwänden, keine Dekorationen - einfach nichts! Die einzigen, die uns ein fröhliches Neues Jahr wünschen, sind zwei chinesische Touristen! Sonst niemand! Und die anderen Europär, die wir sehen, schauen irgendwie so grau und verbittert aus der Wäsche, dass wir uns nicht trauen, ihnen Happy New Year zu wünschen. Also bleibt uns nicht viel anderes übrig, als mit einem kleinen Schiffli (Abra) über den Fluss zu tuckern und gemütlich dem Meer entlang nach Hause zu spazieren. Unser Nachhauseweg entlang der "Corniche Deira" (wo auch jetzt während der Sylvesternacht ununterbrochen an der neuen "Palme Deira" draussen im Meer weitergebaut wird), führt direkt unter der Anflugschneise des Dubai International Airports hindurch. Es ist eine dunstig, dampfende Nacht und eine arte tropischer Nebel hängt über den Hochhäusern der Stadt, dass man nur die untersten Stockwerke der Türme sehen kann. Nicht weit über unseren Köpfen donnern die Jets im Landeanflug durch den dichten Nebel. Wir können nicht mal die Scheinwerfer sehen, nur ein beängstigendes, lautes Donnern vernehmen. Plötzlich reisst der Nebel auf und man kann ein paar Sterne funkeln sehen. Da legen wir uns auf die Quai-Mauer und beobachten ein paar Minuten lang die reinkommenden Emirates-Flieger, wie sie aus dem Nichts plötzlich auftauchen, um dann sofort wieder in einer Nebelwolke zu verschwinden. Eine halbe Minute später dann ein Fauchen und Zischen in den Wolken - die nachfolgenden Turbulenzen und daraufhin folgt schon der nächste Jet. Die ganze Nacht hindurch... Raia hat auf ihrem Fernseher 1400 Kanäle und so können wir drei Stunden später auch noch das Neue Jahr zu europäischer Zeit feiern! Wir lassen den Korken unseres alkoholfreien Dattel-Champagners knallen und ziehen uns das Musikanten-Stadl auf SF1 rein! Und genau um Mitternacht (mitteleuropäischer Zeit) schalten wir um auf DUNA TV, wo die ungrische Nationalhymne übertragen wird! Gute Nacht und so singen wir weiter mit ABBA...
Happy new year, happy new year
Später haben wir dann erfahren, dass der Scheich von Dubai alle Neujahrsfeiern in Dubai kurzfristig abgesagt hat, als Solidarität mit den Palästinensern nach den israelischen Angriffen. Aber manchmal ist es vielleicht besser, nicht zu viel über Kriege und Politik zu wissen...
Check-in Nach drei Monaten auf der Arabischen Halbinsel haben wir uns entschlossen mit dem Flugzeug einen kleinen Sprung weiter zu reisen, da wir uns hier in eine Art Sackgasse hinein manövriert haben. Also buchen wir ein Ticket nach New Delhi und hoffen, dass uns die Fluggesellschaft "Emirates" mit all unserem Gepäck und den Velos mitnehmen wird. Unser Flieger geht abends um zehn und Raia bringt uns sogar noch zum Flughafen, da es mit dem Velo wegen dem Verkehr eigentlich unmöglich ist, da hin zu pedalen. Wir sind schon vier Stunden zuvor am Check-in, damit wir noch ein bisschen Zeit haben, falls es Probleme wegen den Fahrrädern geben sollte. Und genau so ist es: am Schalter begrüsst uns eine total aggressive Tante, die uns am liebsten gleich wieder raus geschmissen hätte. Sie will natürlich nichts mit diesen Rädern zu tun haben und sagt als erstes, dass wir irgend ein Papier unterschreiben müssen, damit die Fluggesellschaft nicht haftet, wenn etwas beschädigt wird. Das ist ja noch ok... Dann wollen sie natürlich, dass wir die Bikes in eine Kiste einpacken... aber wo sollen wir jetzt noch schnell einen passenden Karton herzaubern und dann auch noch den ganzen Kram auseinander schrauben? Ich dachte es reicht schon wenn ich wenigstens die Pedalen, den Lenker und den Sattel entferne sowie die Luft aus den Reifen lasse. In unsern Gedanken nehmen wir nach diesem herzlichen Empfang schon mal Abschied von unseren Velos, denn es sieht nicht gut aus! Genau aus diesem Grund haben wir eigentlich Emirates gewählt; es gab noch andere Billigflieger, die fast halb so teuer waren, aber wir hofften, dass wir bei Emirates vielleicht ein bisschen kulanter behandelt werden. Zudem sind Alice und Cedric mit ihren noch viel grösseren Liegevelos problemlos mit der gleichen Fluggesellschaft nach Delhi geflogen - ohne etwas auseinander zu schrauben und sie hatten sogar noch mehr Gepäck als wir. Genau das mit dem Gepäck ist dann auch schon das nächste Problem. Wir müssen natürlich alles auf die Wage stellen; auf der einen Seite stehen die Velos mit 33 kg und auf der anderen unsere Taschen mit 45 kg (aber auf unserem Ticket steht etwas von 20 kg pro Person...)! Der Typ am Check-in ist genau so ein unsympathischer Idiot, wie die andere Tussi zuvor. Da hilft auch nett sein nicht mehr weiter, und die Geschichten über eine Weltreise mit dem Fahrrad interessiert eh niemanden. Wir wissen nicht, was jetzt passiert und was sie jetzt mit uns machen werden. Vielleicht können wir noch mit einem Vorgesetzten sprechen... und dann kommt auch schon das nächste Problem. Wegen schlechtem Wetter hat unser Flieger Verspätung. Statt um 22 Uhr ist unser Flug erst um 5 Uhr in der Frueh! Aber dafür lädt uns Emirates als Entschädigung zum Nachtessen ein - er drückt uns irgend ein Zettel in die Hand, unsere Taschen verschwinden auf dem Förderband und ein Pakistani, der noch Bakschisch von uns will, bringt die Velos auf einem Gepäckrolli zu einem Lift und verschwindet. Wir sind ein bisschen perplex, aber irgendwie es scheint trotz allem Ärger zu funktionieren. Sie nehmen uns mit!!! Und das Beste, wir haben nicht einen Dirham für das Übergepäck bezahlt!!! Also gehen wir weiter durch die Passkontrolle und freuen uns auf das versprochene Dinner. Dummerweise aber habe ich im Handgepäck noch ein Veloschloss und das geht natürlich nicht! Schon wieder das nächste Problem!!! Die Security-Tante hat das Schloss schon in den Müll rein geschmissen und da hilft auch alles protestieren nicht. Das sei zu gefährlich... Aber was machen wir in Indien ohne Schloss! Dann können wir unsere Velos ja gleich schon in Dubai lassen. Noch ein bisschen Jammern und dann kümmert sich tatsächlich einer um uns: er ist echt ganz nett, will uns helfen und macht uns den Vorschlag, dass wir die Schlösser in einen unserer Rucksäcke stopfen können, um diesen dann nochmals beim Check-in abzugeben. Das tönt gut! Aber wie kann ich nochmals durch den Zoll, da wir ja schon den Ausreisestempel im Pass haben? Aber auch dieses Problem lässt sich lösen, da mich ein sympathischer junger Typ aus Yemen erneut durch die Passkontrolle begleitet, bis zum Check-in und wieder zurück. Die Geschichte nimmt aber immer noch kein Happy-End! Denn am Check-in-Schalter bemerkt der andere unsympathische Angestellte mich nochmals und es fällt ihm ein, dass ich noch nicht für das Übergepack bezahlt habe!!! So ein Scheiss - und wir dachten schon, dass wir wenigstens da geschloffen sind! Aber er will nochmals 55 Dirham pro Kilo und das kostet ziemlich genau nochmals so viel wie das Ticket für eine Person nach Indien.
Aber: ich habe natürlich weder Bargeld noch Kreditkarte bei mir - das ist alles bei Andrea, auf der anderen Seite der Passkontolle bei den Gates. Na gut, dann alles nochmals zurück und immer in Begleitung dieses Beamten wieder zum Check-in sowie noch einem weiteren Schalter für die Bezahlung! Na gut, so viel Pech haben wir zum Glück nicht jeden Tag, aber jetzt scheint alles zu funktionieren... und tatsächlich starten wir um 5 Uhr morgens Richtung Delhi!
Dubai-Projekte Unvorstellbar, was für Mega-Projekte die Stadt in den nächsten paar Jahren realisieren will. Dubai lebt völlig von den Superlativen und produziert einen Weltrekord nach dem andern. Das Burj Dubai ist nur eins davon, was beinahe fertig gebaut ist: das höchste Gebäude der Welt (818 m). Die Stadt lebt von dieser unglaublichen Dynamik und von dem Gedanken, alles ist realisierbar, egal was es kostet. So sind auch Baubewilligungen für solche Grossprojekte kein Thema. Wenn es dem Scheich gefällt, dann wird nach seinen Vorstellungen gebaut - ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen oder langwierige Bürgerbeteiligung. Neben den drei künstlich ins Meer gebauten Palmen und "The World" (300 exklusive, künstlich aufgeschüttete Privat-Inseln in Form der Erde) befindet sich ein weiteres Megaprojekt in Planung: Dubai Waterfront, ein neuer Stadtteil, welcher hundertausenden Menschen "Leben und Arbeiten am Wasser" ermöglichen soll und grösser wird als Zürich. Noch ein paar Weltrekorde in Planung: "Dubai-Land" wird der grösste und abwechslungsreichste Freizeitpark weltweit (185 Mio Quadratmeter, Baukosten 5 Mrd Dollar). Dubai-Land besteht aus verschiedenen Themenparks: Schnee-Welt, Space-Welt Dinosaurier-Welt, Motor-Racing-Welt, Film-Stadt, Kinder-Welt und Tier-Welt sowie dem weltgrössten Riesenrad und dem Wasser-Vergnügungspark Aqua Dubai. Natürlich dürfen auch Top-Luxus-Hotels nicht fehlen sowie die "Mall of Arabia" das grösste Einkaufszentrum unseres Planeten sein wird. Ein weiteres geplantes Grossprojekt trägt den Namen Bawadi (Foto 1, 2) und soll an den legendären "Strip" in Las Vegas erinnern. Auf einer Länge von ca. 10 Kilometern sollen in Bawadi 51 neue Hotels entstehen - unter ihnen auch das mit 6500 Zimmern grösste Hotel der Welt, das "Asia-Asia". Nicht zu vergessen das erste Unterwasser-Luxusresort der Welt aus 18 mm dickem Plexiglas: Hydropolis, mit 220 Suiten 20 Meter unter dem Persischen Golf. Eine völlig verrückte Idee ist in Planung für das neue Versace-Hotel. Da es während der Sommerhitze beinahe unmöglich ist, barfuss auf dem Strand zu gehen, hatten sie jetzt die grandiose Idee, eine Art Netz einzubauen, um den Sand zu kühlen! Dagegen stehen natürlich internationale Umweltschutzorganisationen auf die Hinterbeine... aber das passt total zu Dubai! Dubai Marina ist ein weiteres Projekt, was fast schon fertig gebaut ist. Ein ganzer Stadtteil, nicht weit vom Burj Al-Arab, für rund hundertausend Menschen. Gegenüber der Marina sind weiter 89 Hochhäuser im Bau, die Jumeirah Lake Towers. Dubai wächst an allen Ecken und Enden und stösst immer weiter ins Wasser und in die Wüste vor. Ganze Stadtteile werden aus dem Boden gestampft: zum Beispiel Sports City, wo Raia nächstes Jahr in zwei neue Villen einziehen wird, Culture Village, das Quartier The Lagoons, am Dubai Creek, Dubai Silicon Oasis (in Anlehnung an das kalifornische Silicon-Valley) oder die Falcon City of Wonders, ein Stadtteil mit massstabsgetreuen Nachbauten der sieben Weltwunder, sowie dem Eiffelturm oder dem indischen Taj Mahal 1:1. Oder die angekündigten Muhammad bin Rashid Gardens: 88 Quadratkilometer Park- und Wasserflächen für naturnahen Lebensraum.
Die meisten dieser unglaublichen Riesenprojekte werden von privaten Investoren finanziert und es wird sich zeigen, wie das ganze in Dubai weiter läuft, trotz der momentanen globalen Finanzkrise. Aber davon kann man bislang nicht allzuviel spüren - es wird gebaut wie verrückt und in Dubai stehen weltweit am meisten Baukräne...
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