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Velofahren im Iran Wenn jemand bei unserer Routenkarte guckt und sieht, dass wir im Iran meist den Zug genommen haben und nur drei kleine Runden gefahren sind, dann hat das seinen Grund. Von der türkischen Grenze radelten wir bis nach Tabriz, der ersten Grossstadt. Je näher wir der Stadt kamen, desto schlimmer wurde der Verkehr, zudem krachte genau vor uns ein Wagen mit voller Wucht gegen die Leitplanken und hätte genau so gut gegen uns fahren können! Mit zittrigen Beinen stehen wir mitten auf der Autobahn und versuchen die heranrasenden Autos und Lastwagen abzubremsen, damit sie nicht auch noch in den total demolierten Peugeot rein knallen. Nach diesen ersten Erfahrungen beschliessen wir, da wir die gesamte Distanz quer durchs Land in einem Monat eh nicht schaffen können, dass wir uns zwei oder drei schöne Gegenden raussuchen und da Rad fahren werden. Zudem liegt als nächster Etappenstopp Teheran vor uns. Eine der meist verschmutztesten Metropolen der Welt - nicht gerade das Highlight einer Fahrradweltreise! So entscheiden wir uns für den Zug von Tabriz nach Teheran und von dort nehmen wir direkt ein Minibus-Taxi, der uns auf der anderen Seite der Stadt 20 oder 30 Kilometer weit raus bringt, bis man wieder mit dem Rad weiter fahren kann. Wir sind auf dem Weg Richtung Damavand, dem höchsten Berg der Islamischen Republik, wo wir eine Woche verbrachten. Wieder zurück in Teheran schlafen wir eine Nacht in einem düsteren Hotel und nehmen am nächsten Tag den Nachtzug nach Yazd, einer Oasenstadt mitten in der Wüste. Zuerst verbringen wir ein paar ruhige Tage im Silkroad-Hotel, bevor wir ins ca. 100 km entfernte Kharanaqh aufbrechen, wo wir Sebastian, dem holländischen Besitzer des Guesthouses, ein paar Tage für Kost und Logis aushelfen können.
Unser nächster Stopp bringt uns dann schon runter an den Persischen Golf, nach Bandar-e-Abbas. Von da wollen wir per Schiff rüber nach Dubai, aber das ganze gestaltet sich etwas schwieriger als erwartet...
Dubai Dreams I Das Ticket für das Speedboat nach Dubai haben wir schon seit ein paar Tagen im Sack; konnten wir problemlos in Yazd kaufen und die Fahrt über den Persischen Golf von Bandar-e-Abbas nach Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten daurt lediglich 6 Stunden. Mit dem Visum sei das auch kein Problem, versicherten sie uns im Reisebüro. So weit so gut! Wir fahren extra ein paar Tage früher nach Bandar-e-Abbas zum Hafen, um sicher zu sein, dass alles klappt. Unser Boot geht am Sonntag und wir tuckern mit dem Nachtzug am Mittwoch Abend los. Eigentlich sollte der dann am nächsten Morgen um 7 Uhr ankommen. Mit drei Stunden Verspätung radeln wir die 10 km vom Bahnhof bis ins Stadtzentrum, damit wir sofort noch wegen dem Visum nachfragen können. Das Konsulat der V.A.E. sollte gemäss unserem Reisebuch mitten in der Stadt sein - aber als wir da völlig durchgeschwitzt mit unserem ganzen Gepäck ankommen und uns durch den höllischen Verkehr gekämpft haben, finden wir ziemlich schnell raus, dass es hier kein Konsulat mehr gibt. Ein netter, älterer Herr hilft uns weiter und ruft mit seinem Mobiltelefon sogleich den Konsul an, um zu fragen, wo sie jetzt hingezogen seien. Das nützt uns auch nicht viel, denn die neue Adresse ist weit ausserhalb des Zentrums und das Konsulat ist eh nur bis am Mittag geoffnet. Das war der Donnerstag - und am Freitag geht in den islamischen Länder eh nichts - alles zu! Das heisst für uns warten bis am Samstag und so haben wir noch genügend Zeit, uns im Internet schlau zu machen über die Visapolitik der Arabischen Emirate. Es ist nichts so ganz klar, aber schliesslich finden wir raus, dass die Schweizer problemlos an der Grenze bei der Einreise ein Touristenvisum bekommen - aber die Ungarn leider nicht. Am Samstag morgen stehen wir um 6 Uhr auf, so dass wir mit dem Velo nach einer harten Stunde durch den Morgenverkehr der Hafenstadt (und schon in brütender Hitze) zum Konsulat radeln. Es hilft nichts. Das war unsere letzte Hoffnung. Sogar die Tränen auf Andreas Wangen machen den Konsul nicht weich. Keine Chance. Als letzte Möglichkeit versucht Martin noch mit 200 Dollar (als eine Art Express-Visum-Gebühr) die Tante, die sich um uns kümmert, auf unsere Seite zu kriegen. Aber die Antwort ist ziemlich klar und sie sagen uns nur, dass wir nach Teheran zurück sollten und dass so ein Visumantrag ca. 7 Tage daürn würde, weil sie den ganzen Kram erst noch nach Dubai faxen müssen. Und es kommt noch schlimmer. Das grösste Problem was wir haben: unser Iran-Visum läuft einen Tag später ab und wir müssen das Land unbedingt verlassen! Aber wohin?! Wir sind völlig auf dem Boden und wissen nicht mehr weiter. Aber das ist nicht genug!!! Wir haben auch kein Geld mehr! Das Schiffsticket war für Ausländer doppelt so teuer wie für Iraner und so haben wir da 240 Dollar für nichts ausgegeben, die wir natürlich auch nicht mehr zurück bekommen und die uns jetzt fehlen - denn im Iran gibt es dank dem internationalen Embargo keine Möglichkeit irgendwie an Bargeld zu gelangen. Kein EC, kein Maestro, keine Kreditkarten, keine Travellers Cheques, nichts... also haben wir noch unsere letzten 100 Dollar, die wir für Notfälle im Velorahmen versteckt hatten, raus gezogen und jetzt sitzen wir fest und müssen wir unbedingt aus diesem Land raus kommen! Wir entscheiden uns für eine Visa-Extension - das kann man zum Glück hier im Polizei-Hauptquartier für 40 Dollar erledigen. Aber das ist auch nicht so einfach, wie es tönt: zuerst mal suchen wir das Polizeigebäude - aber da wo es bei uns im Lonely Planet eingezeichnet ist, schicken uns die Leute nur weg und geben uns irgendwie zu verstehen, dass wir ein paar Kilometer weiter aus der Stadt raus fahren sollten und irgendwo da zu einem Büro gehen müssen, die sich mit Ausländern beschäftigen. Und um diese Infos zu erfahren sind wir jetzt zurück ins Stadtzentrum geradelt! Also umkehren und die gleiche Richtung wieder zurück! Und vor allem haben wir keine Ahnung wohin! Und dieses Büro ist auch nur bis um 13 Uhr geöffnet - also Vollgas Richtung Osten mit einem Zettel in der Hand, wo uns irgend ein Beamter etwas in Farsi darauf gekritzelt hat. Mehr wissen wir nicht. Alle 100 Meter stoppen wir, fragen die Leute an der Strasse und halten ihnen diesen Papierfetzen vor die Nase. Bis wir schliesslich vor einer kleinen, unscheinbaren Metalltüre stehen - kein Schild und auch sonst nichts deutet darauf hin, dass es sich um das Polizeihauptquartier handelt. Irgendwo da drin finden wir ein Büro und ein Beamter, der sich sofort um uns kümmert - super! Wenigstens das haben wir geschafft! Jetzt brauchen wir aber noch Fotokopien unseres Passes und vor allem müssen wir noch die Gebühr auf einer Bank Melli-Filiale überweisen, bevor wir unsere Visum-Verlängerung kriegen. Das nächste Problem ist jetzt die Bank zu finden und ein weiteres Problem ist Geld zu wechseln! Man würde das nicht glauben, aber in der Bank kann man keine Dollars wechseln - nein, Martin muss nochmals mit Fullspeed zurück ins Stadtzentrum radeln, dort irgendwo auf dem Schwarzmarkt Kohle wechseln, zurück zur Bank, die Überweisung machen und mit der Quittung wieder zur Polizei fahren. Da aber will uns der Beamte nochmals das Leben schwer machen, weil ich dummerweise 40 Dollar auf einmal überwiesen habe, statt 2 x 20! "Oh, big problem, big problem!", viel mehr Englisch spricht der Bürokrat leider nicht... aber irgendwie geht es dann trotzdem! Immer nur ein bisschen jammern, Geduld haben und freundlich bleiben. Und schliesslich haben wir nach ein paar Stunden Ärger und Warten unser neüs Visum in der Tasche (obwohl im Reisebuch stand, dass es in Bandar-e-Abbas fast nicht möglich sei, das Visum zu verlängern!).
Aber wie weiter?! Jetzt haben wir mal ein paar Tage Luft und müssen nicht schon am Sonntag das Land verlassen - aber Geld haben wir immer noch nicht! Und wohin unsere Reise weiter geht wissen wir auch nicht. Jetzt ist kreatives Denken angesagt und irgendwie müssen wir uns jetzt aus diesem Schlamassel raus retten! Ein Brainstorming mit allen möglichen Varianten und Ideen, wie wir ohne Kohle von hier weg kommen - wir sitzen irgendwo völlig pleite am Persischen Golf, können noch für unser Speedboat winken und das war unser Traum von Dubai...
Dubai Dreams II Aber wie weiter?! Jetzt haben wir mal ein paar Tage Luft und müssen nicht schon am Sonntag das Land verlassen - aber Geld haben wir immer noch nicht! Und wohin unsere Reise weiter geht wissen wir auch nicht. Jetzt ist kreatives Denken angesagt und irgendwie müssen wir uns jetzt aus diesem Schlamassel raus retten! Ein Brainstorming mit allen möglichen Varianten und Ideen, wie wir ohne Kohle von hier weg kommen - wir sitzen irgendwo völlig pleite am Persischen Golf, können noch für unser Speedboat winken und das war unser Traum von Dubai... Die Geschichte geht weiter. Am nächsten Tag müssen wir unser Schiffsticket annulieren, da sie uns ohne Visum eh nicht mitnehmen dürfen. Früh aufstehen und mit dem Fahrrad die 4 km Richtung Hafen, vorbei an stinkenden Fischfabriken, zum Hauptgebäude der South Iran Shipping Line. Da erwarten sie uns schon und ein netter Herr bringt uns direkt ins richtige Büro, worin ein paar Männer hinter den Schreibtischen eingeqütscht sind, gelangweilt in der Zeitung blättern und Tee trinken (es wirbelt da sogar extra ein Tee-Kellner durchs ganze Bürogebaude und serviert den Beamten regelmässig ihre geliebte Tasse Tee ). Die ganze Geschichte fängt wieder von vorne an. Zuerst dauert es eine halbe Stunde, bis alle da drin realisieren, dass wir eigentlich schon jetzt an Bord gehen sollten, da unser Ticket für den heutigen Tag gebucht ist. Dann versichern sie uns x-Mal, dass es mit dem Visum kein Problem ist. Wir versuchen unsere Geschichte abermals zu erklären, bis all die Beamten da drin langsam anfangen zu rotieren, bis sie dann , nach mehreren Telefonanrufen, auch verstehen, dass es mit unserem Visum echt nicht geht. Na gut, dann wollen wir unsere Schiffstickets annulieren, aber das geht auch nicht, weil der Verantwortliche jetzt draussen beim Hafen ist und erst in ein paar Stunden wieder zurück kommt. Daraufhin versuchen sie alle möglichen Reisebüros und Freunde oder Verwandte anzurufen, ob vielleicht doch jemand ein Visum für uns beschaffen kann. Obwohl uns der Konsul am Tag zuvor klar gemacht hat, dass hier in der Stadt niemand so ein Visum ausstellen kann. Wir sollten dafür zurück nach Teheran. Bei einem Reisebüro scheint es dann doch zu klappen! Vielleicht ist das unsere Rettung! Wir wollen schon sofort da hin radeln, aber da spricht niemand Englisch und der Manager nimmt sein Handy nicht! Bis wir schliesslich rausfinden, dass sie nur solche muslimische Pilgervisum machen können, wo man nach einem Monat wieder zurück in den Iran fahren muss! Also, das ist auch nichts für uns! Dieses andauernde Auf und Ab macht uns fertig: dann hat immer wieder jemand eine gute Idee und alles scheint trotzdem noch zu klappen. Das Happy End ist schon in Sicht - bis kurz daurauf wieder ein Hammerschlag folgt, alles auf dem Boden zerschmettert und wir wieder genau gleich weit sind. Der nette Mr. Hajipour, der viele Jahre auf allen Weltmeeren unterwegs war und auch ziemlich gut Englisch spricht, begleitet uns von einem Büro zum nächsten und dazwischen gibts auch immer wieder eine Tasse Tee für uns! Wir finden raus, dass wir das Ticket für eine Gebühr von 20% annulieren können oder auch zu einem späteren Zeitpunkt per Schiff mit dem gleichen Ticket nach Dubai fahren. Das ist schon mal gut! Dann haben wir doch noch eine Chance und wir können alle Türen offen lassen. Im Kopf haben wir uns schon dafür bereit gemacht, per Bus an die pakistanische Grenze zu fahren oder sogar zurück in die Türkei... Wenn wir das Ticket annulieren könnten und dafür etwa 150 Dollar bekommen, dann würde das wahrscheinlich genau reichen, um das Land per Bus zu verlassen! Aber wir haben auch noch kein Pakistan-Visum! In der Botschaft in Istanbul haben sie uns versichert, dass man an der Grenze ein Transit-Visum bekommen könnte. Das wäre perfekt, aber was ist, wenn die da wieder etwas anderes sagen?! Dann würden wir echt wie die letzten Idioten da in der Wüste stehen, völlig abgebrannt, unsere letzten Rials und Notdollars für die Reise ausgegeben und unser Iran-Visum dürfen wir dann auch nicht mehr verlängern. Jetzt müssen wir einfach raus aus dem Land, egal wie! Mr. Hajipour erledigt noch ein paar Telefonanrufe für uns und findet noch ein weiteres Reisbüro, das uns vielleicht weiter helfen kann. Inzwischen ist auch der Ticketverantwortliche wieder zurück vom Check-in im Hafen und wir gehen in sein Büro, um alles klar zu machen mit unserem Billett. Er versichert uns, dass wir sogar ohne Reservation einfach hier vorbei kommen können und das Schiff wird uns mitnehmen, sobald wir das Visum in der Tasche haben. Dann bestellt uns Mr. Hajipour sogar noch den firmeneigenen Passagierbus, damit der Chauffeur uns mitsamt den Velos wieder zurück ins Stadtzentrum bringt, zu dem Reisebüro, wo wir nochmals unser Glück mit dem Visa versuchen können. Als wir vor der Tür des Reisebüros stehen, gucken wir uns an und: genau hier drin waren wir schon tags zuvor und genau diese haben uns weggeschickt! Aber jetzt ist die Chefin da, die zwar kein Englisch spricht, aber sie versichert uns, dass sie für 250 Dollar ein Visum für Andrea machen kann. Ich kann es immer noch fast nicht glauben. Die Schweizer können ohne Probleme einfach nur so nach Dubai einreisen (KOSTENLOS!) - und ein EU-Land wie Ungarn hat so viele Hindernisse zu überwinden! Wir sind jetzt schon 5 Tage in dieser iranischen Grossstadt und kurbeln täglich fast schon mehr Kilometer bloss in der City hin und her, wie sonst an einem normalen Fahrradweltreisetag! Dazu kommt noch die brutal feuchte Hitze und der Smog - und nicht an den höllischen Verkehr zu denken, wo man als Velofahrer einfach ignoriert wird (Weg abschneiden, rausdrängen, kein Vortritt geben usw.). Langsam haben wir keine Nerven mehr zu all diesem! Wir wollen mit dem Fahrrad nach Asien trampeln - und was machen wir?! ärgern uns tagelang mit irgendwelchene Bürokraten umher und versuchen irgendwie doch noch eine Lösung zu finden, wie wir von Bander-e-Abbas weg kommen! Aber auch diese Geschichte hat ein Happy-End - wir haben es troz allen Widrigkeiten geschafft, bekommen unser Visum und fahren per Speedboat nach Dubai! Die fünf Tage, die wir auf das Visum warten müssen verbringen wir auf Qeshm Island, der grössten Insel im Persischen Golf. Wir teilen unserer letztes Geld genau ein und haben ein Budget von 5 Dollar pro Tag. Das reicht natürlich nicht mehr für ein Hotel, aber wir finden auf der Insel jeden Abend einen superschönen, menschenleeren Platz direkt an der Küste, wo wir problemlos unser Zelt aufbauen können.
Das Visum für Dubai hat uns schliesslich unser holländische Freund vom Silkroad-Hotel in Yazd organiesiert und so konnten wir ihm auch per E-Banking die 170-Dollar-Gebühr nach Amsterdam überweisen, da wir ja ansonsten völlig abgebrannt sind!
Weitere iranische Kurzgeschichten folgen dann noch...
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